Preise für herausragende Dissertationen
Bern/Stuttgart, 2. Oktober 2003
Der Verband der Geographen an Deutschen Hochschulen (VGDH)
hat seine diesjährigen Preise für die besten geographischen
Dissertationen Dr. Martina Neuburger (Universität Tübingen) und Dr.
Peter Houben (Universität Frankfurt) verliehen. Die
Nachwuchswissenschaftler erhalten die mit jeweils 1500 Euro dotierten
Preise für ihre herausragenden Doktorarbeiten in der Anthropogeographie
und der Physischen Geographie.
Martina Neuburger bekam für ihre Doktorarbeit mit dem Titel
"Pionierentwicklung im Hinterland von Cáçeres (Mato Grosso, Brasilien)"
den Dissertationspreis für Anthropogeographie zuerkannt. Sie
beschäftigt sich mit kleinbäuerlichen Überlebensstrategien an der
Pionierfront der Landerschließung vor dem Hintergrund komplexer
Mensch-Umwelt-Beziehungen in labilen tropischen Ökosystemen. Im
Mittelpunkt steht die Frage, welche Möglichkeiten und Fähigkeiten die
Bevölkerung gegenüber ökologischer Degradierung sowie angesichts
politischer und sozioökonomischer Veränderungen besitzt.
Martina Neuburger stellt in ihrer geographischen Untersuchung
wesentliche Elemente kleinbäuerlicher Überlebenssicherung in den
Vordergrund, die nach Auffassung der Jury des Preises von der
Entwicklungsplanung in vergleichbaren Regionen der Dritten Welt
berücksichtigt werden müssen. "Die Dissertation gehört aufgrund ihrer
vorbildlichen theoretisch-methodischen Fundierung, der umfassenden
Quellenauswertung und der hohen Qualität der empirischen Arbeiten zu
den herausragenden Studien der deutschen sozialgeographischen
Entwicklungsforschung in der Dritten Welt", sagte Professor Peter
Meusburger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geographie (DGfG),
in seiner Laudatio auf die Preisträgerin. Die Arbeit belege überdies
die hohe Leistungsfähigkeit des Faches in einem aktuellen Problemfeld
der Entwicklungsländerforschung.
Den VGDH-Dissertationspreis für Physische Geographie erhielt
Peter Houben für seine Doktorarbeit über die Auswirkungen von
Klimaänderungen auf das Flusssystem der Wetter in Hessen seit dem
Spätglazial. Mit dem Ansatz der "fluvial architecture", so die
Preisrichter, gelingt es Houben, die Sedimente und vor allem die
Sedimentationsdynamik in hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung
darzustellen und ein überzeugendes Erklärungsmodell für die
vielfältigen Reaktionen des Flusssystems auf Klimaänderungen
anzubieten. Neben der Detailgenauigkeit lobte die Jury die
hervorragende sprachliche und graphische Darstellung der Arbeit, mit
der Peter Houben auf etlichen Gebieten der modernen Gewässermorphologie
Neuland betreten habe.
Überreicht wurden die diesjährigen Dissertationspreise des Verbandes
der Geographen an Deutschen Hochschulen am 1. Oktober anlässlich der
Schlussfeier zum 54. Deutschen Geographentag in Bern im
Kultur-Casino.
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