Deutsche Gesellschaft für Geographie

Pressemitteilung

Auszeichnung für Gießener Wissenschaftler: Dr. Ivo Moßig erhält Dissertationspreis des Verbandes der Geographen an Deutschen Hochschulen

3. Oktober 2001

Dr. Ivo Moßig, Wissenschaftlicher Assistent an der Professur für Wirtschaftsgeographie des Instituts für Geographie der Universität Gießen, wurde für seine Dissertation über die "Räumliche Konzentration der Verpackungsmaschinenbau-Industrie in Westdeutschland" mit dem Förderpreis des Verbandes der Geographen an Deutschen Hochschulen ausgezeichnet. Die mit 3 000 Mark dotierte Auszeichnung wird alle zwei Jahre für herausragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Geographie vergeben.

In seiner von Prof. Dr. Ernst Giese betreuten Arbeit untersucht Ivo Moßig zwei hochaktuelle wirtschaftsgeographische und wirtschaftspolitische Fragen: Warum konzentrieren sich bestimmte Industriezweige in bestimmten Regionen und welche Wirkungen gehen von solchen Clustern aus? In der Dissertation des Preisträgers wird am Beispiel der räumlichen Konzentration der Verpackungsmaschinenbau-Industrie im Landkreis Schwäbisch Hall und in Mittelhessen (Landkreis Gießen und Lahn-Dill-Kreis) dargelegt, dass traditionelle Standorttheorien die festgestellten Konzentrationen nur unzureichend erklären können. Daher wurde ein Erklärungsansatz entwickelt, der historische Ereignisse und Prozesse sowie die einzelnen unternehmerischen Entscheidungen stärker berücksichtigt.

Insbesondere das Gründungsgeschehen wurde in den beiden Schwerpunktregionen eingehend untersucht.
Auf der Grundlage zahlreicher Experteninterviews konnte der Gießener Wirtschaftsgeograph nachweisen, dass die wesentliche Ursache für die räumliche Konzentration der Verpackungsmaschinenbau-Industrie lokale Spin-off-Gründungen sind. Die Gründerpersonen nutzen dabei das spezielle Knowhow, das sie während ihrer vorangegangenen Beschäftigung bei einer bestehenden Verpackungsmaschinenbau-Firma erworben haben. Ohne diese Kenntnisse ist eine Gründung in dem untersuchten Industriezweig kaum denkbar.

Auf Grund persönlicher Verbindungen der Entscheidungsträger ist die Nähe zum Wohnort in der Regel das entscheidende Kriterium bei der Standortwahl der neu gegründeten Betriebe. Jede Spin-off-Gründung verstärkt somit den Prozess der Clusterung. Gleichzeitig bündelt sich in Schwerpunktregionen das spezielle Knowhow, wodurch sich die Voraussetzung für weitere Spin-off-Gründungen verbessern. Auf diese Weise kommt ein eigendynamischer Wachstumsprozess in Gang. Auch bei den Auswirkungen solcher Konzentrationen ergab die Untersuchung höchst interessante und neue Erkenntnisse. So konnte festgestellt werden, dass eine starke räumlichen Konzentration nicht zwangsläufig zu ausgeprägten Vernetzungen zwischen Betrieben führt. Wie die Studie aber auch zeigt, ergeben sich aus der räumlichen Konzentration einige Vorteile, die insbesondere den kleinen und neu gegründeten Betrieben zugute kommen. Hierzu gehören insbesondere das im Laufe der Zeit entstandene, qualifizierte Arbeitskräftepotential sowie die räumliche Nähe zu speziellen Zulieferbetrieben.


Seitenanfang

webdesign: Benjamin Hennig Impressum | Disclaimer | © 2006 Deutsche Gesellschaft für Geographie